Glatteisgefahr

Lass dich nicht aufs Glatteis führen!

01_Fakten statt Fakenews

Seit einiger Zeit kursieren viele abenteuerliche Informationen zu COVID-19 in den sozialen Medien. Veröffentlicht werden diese beispielsweise von angeblichen Journalist*innen, Influencer*innen, aber auch Politiker*innen. Vieles wird unhinterfragt geglaubt und geteilt, auch wenn die Faktenlagen zu diesen Themen wesentlich anders aussehen. Daher gilt: Kritisches Hinterfragen ist erlaubt!

Wir werden in den nächsten Wochen immer wieder Beiträge zu Verschwörungstheorien auf unserem Instagram-Account und unserer Facebookseite veröffentlichen, in denen wir euch aufzeigen möchten, was tatsächlich hinter diesen Theorien steckt. Eine Übersicht und die Quellenangaben zu den einzelnen Veröffentlichungen findet ihr hier. Wir halten die Liste immer – in Abhängigkeit unserer Beiträge – aktuell:

Glatteisgefahr: Wie das Immunsystem funktioniert

In der heutigen Glatteisgefahr gehen wir der Frage nach, wie unser Immunsystem überhaupt funktioniert und welche Rolle Impfungen dabei spielen.

Das Immunsystem an sich umfasst verschiedene Organe, Zellarten und Eiweiße. Normalerweise merken wir nichts von ihm. Erst wenn es versagt, spüren wir die Auswirkungen: wir werden krank. Die Aufgaben des Immunsystems sind also, Krankheitserreger zu erkennen und zu bekämpfen, aber auch Umweltschadstoffe zu neutralisieren und krankhafte Veränderungen im Körper (z.B. Krebszellen) zu bekämpfen. Aktiviert wird das Immunsystem durch sogenannte Antigene. Das sind in den meisten Fällen Eiweiße auf der Oberfläche von Bakterien, Pilzen und Viren. Erkennt das Immunsystem diese, werden viele Prozesse im Körper in Gang gesetzt, um die Eindringlinge zu bekämpfen. Unser Immunsystem lässt sich dabei in zwei Teile unterscheiden: das angeborene und das erworbene Immunsystem.

Das angeborene Immunsystem ist schnell und breit wirksam. Es reagiert auf alle Erreger gleich und ist deshalb schnell einsatzfähig. Es ist quasi die „Sofort-Hilfe“ des Körpers. Der erste Teil des angeborenen Immunsystems sind unsere Haut und unsere Schleimhäute als physische Barriere. Durch chemische Stoffe auf der Haut und Bewegungen (z.B. der Flimmerhärchen in den Bronchien) sorgt es dafür, dass Erreger sich gar nicht erst im Körper andocken und verbreiten können. Wird diese Barriere doch durchbrochen, werden verschiedene Abwehrzellen und Eiweiße aktiviert. Der allererste Schritt hierbei ist immer eine Entzündung, manchmal auch Fieber. Eine Entzündung entsteht dadurch, dass bestimmte Botenstoffe die Blutgefäße durchlässiger machen, um mehr Abwehrzellen an den betroffenen Ort schleusen zu können. Dadurch wird die betroffene Stelle wärmer und rötlicher. Eine Entzündung oder Fieber sind also Anzeichen eines funktionierenden Immunsystems. Eine wichtige Rolle spielen auch sogenannte Fresszellen (Phagozyten). Sie schließen Erreger ein und verdauen sie. Des Weiteren spielen Enzyme eine wichtige Rolle im angeborenen Immunsystem. Sie unterstützen die Abwehrzellen, indem sie Erreger als Ziele für Fresszellen markieren, Immunzellen anlocken, Zellwände von Bakterien auflösen und sie somit töten und Viren bekämpfen, indem sie die Virushülle oder befallene Zellen vernichten. Der dritte Bestandteil des angeborenen Immunsystems sind Killerzellen. Sie spüren veränderte Körperzellen (z.B. Tumorzellen oder virusinfizierte Zellen) auf und zerstören sie mit Hilfe von Zellgiften.

Stößt das angeborene Immunsystem an seine Grenzen, greift das erworbene ein. Es richtet sich dabei gezielt gegen den Erreger, der die Infektion auslöst, den es aber erst erkennen muss. Deshalb greift es später ein als das angeborene Immunsystem, das alle Erreger unspezifisch bekämpft. Aber: Die Zellen des angeborenen Immunsystems können sich Erreger merken und so bei der nächsten Infektion schneller reagieren. Zum einen gibt es sogenannte T-Zellen. Sie werden im Knochenmark gebildet und reifen im Lymphsystem (im Thymus genauer gesagt, deshalb auch T-Zellen) heran. Ihre Hauptaufgaben sind es, Botenstoffe zu aktivieren (T-Helferzellen), virusinfizierte oder tumorartige Zellen zu zerstören (T-Killerzellen) und sich die Erreger und deren Bekämpfung zu merken (T-Gedächtniszellen). Sie besitzen an ihrer Oberfläche Erkennungsmerkmale, an die sich bestimmte Erreger binden können – ähnlich einem Schlüssel, der nur in ein bestimmtes Schloss passt (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Bindet sich ein Erreger an eine solche T-Zelle, fängt sie schlagartig an, sich sehr stark zu vermehren.

Neben diesen T-Zellen gibt es sogenannte B-Zellen, die ebenfalls im Knochenmark gebildet werden und dort auch zu spezialisierten Abwehrzellen heranwachsen. Sie heißen B-Zellen, weil sich deren Bezeichnung auf den englische Begriff für Knochenmark „bone marrow“ bezieht. Sie werden von den T-Helferzellen aktiviert, vermehren sich und wandeln sich in sogenannte Plasmazellen um. Plasmazellen bilden dann Antikörper, die sie ins Blut abgeben. Auch B-Zellen können zu Gedächtniszellen werden, um bei einer erneuten Infektion schneller agieren zu können. Die von den B-Zellen gebildeten Antikörper sind nichts Anderes als Eiweiß-Zucker-Verbindungen, die im Blut zirkulieren. Sie können Keime und Schadstoffe als solche identifizieren und an sich binden. Sie locken auch weitere Abwehrzellen an. Indem sie sich an Antigene heften, können sie sie neutralisieren. Sie verhindern so, dass Erreger normale Körperzellen infizieren und sich dort vermehren. Fresszellen können Erreger außerdem besser eliminieren, wenn sie mit Antikörpern beladen sind. Zudem aktivieren sie die Eiweiße des angeborenen Immunsystems, die Erreger und Fremdkörper bekämpfen. Antikörper sind also eine Schnittstelle zwischen angeborenem und erworbenem Immunsystem.

Wie genau Impfstoffe das Immunsystem unterstützen, haben wir in der Glatteisgefahr vom 13. Januar dargestellt. Nach einer Impfung gibt es zwei verschiedene Arten von Immunität. Von einer klinischen Immunität wird gesprochen, wenn das Immunsystem nach einer Impfung in der Lage ist, Erreger, die sich im Körper vermehren, zu bekämpfen. Von einer sterilen Immunität wird gesprochen, wenn das Immunsystem dazu in der Lage ist, Erreger bereits beim ersten Kontakt so zu bekämpfen, dass sie sich nicht mehr im Körper vermehren können. Dann ist auch eine Ansteckung anderer ausgeschlossen.

Quellen: www.gesundheitsinformation.de [1], www.gesundheitsinformation.de [2], www.br.de

Buchvorstellung „Ihr Kampf – Wie Europas extreme Rechte für den Umsturz trainiert“ mit Robert Claus

Zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Copa Augusta Antiracista haben wir Robert Claus eingeladen. Robert forscht und publiziert seit Jahren zu den Themen Fankultur, Hooligans, Rechtsextremismus und Gewalt. Vergangenes Jahr veröffentlichte er sein neues Buch „Ihr Kampf – Wie Europas extreme Rechte für den Umsturz trainiert“, welches er im Rahmen unserer Online-Veranstaltung vorstellen wird:

„Ihr Kampf – Wie Europas extreme Rechte für den Umsturz trainiert“
Buchvorstellung von und mit Robert Claus
Freitag, 14.05.2021, 18:30 Uhr
Zoom

Anmeldungen bitte bis 13.05.2021 an fanprojekt@sjr-a.de, dann bekommt ihr den Einladungslink zugeschickt.


Und das erwartet euch:
Seit Jahren wächst das internationale Kampfsport-Netzwerk militanter Neonazis mit Verbindungen in die Hooligan-Szene, Rechtsrock-Bands und Security-Unternehmen kontinuierlich an. Es kommt zu einer zunehmenden Professionalisierung von körperlicher Gewalt. Doch hier steht nicht mehr nur der Sport im Vordergrund, denn Nationalisten nutzen diesen, um ihre politischen Ziele zu verfolgen.
Autor Robert Claus besucht seit Jahren „Fight Nights“ in ganz Europa und berichtet in seinem Buch über seine Einblicke. Auch Kampfsportler, Betroffene von rechter Gewalt, Sportpolitiker und Kenner der Neonaziszene kommen zu Wort.

Tipp der Woche: Augsburger Europawoche

Tipp der Woche
Augsburger Europawoche
Art: Veranstaltung
Präsentiert von: Manu

Am 9. Mai 1950 stellte Robert Schuman, der damalige französische Außenminister, seine Pläne für ein friedliches und vereintes Europa vor. Dieser Vorschlag, der als Schuman-Erklärung in die Geschichte einging, gilt heute als Grundstein der Europäischen Union.

Jedes Jahr am 9. Mai feiert die EU daher den Europatag. In Deutschland wird in diesem Rahmen auch die Europawoche gefeiert, um Europa den Bürger*innen näher zu bringen.

Auch in diesem Jahr gibt es ein buntes Programm zur Augsburger Europawoche, das ihr auf der Homepage der Stadt Augsburg ansehen könnt.

Glatteisgefahr: Zirndorf

In einem Pflegeheim im fränkischen Zirndorf haben sich 24 Bewohner*innen und 10 Mitarbeiter*innen nach dem Besuch eines mobilen Impfteams mit dem Coronavirus infiziert. Was bedeutet das für den Impfstoff und seine Wirksamkeit? Sind die Impfungen wirkungslos?  Dass es nach der Impfung noch Infektionen gab, bestätigt viel mehr, was bereits bekannt ist: Die Impfungen schützen zwar, jedoch nicht zu 100%. Die infizierten Bewohner*innen hatten bis auf drei alle einen milden Verlauf. Auch das spricht für den Impfstoff: Schwere Verläufe und Infektionen mit Todesfolge werden zu nahezu 100% verhindert. Auch der Faktor Zeit spielt eine Rolle: Den vollen Impfschutz haben Geimpfte erst ca. 14 Tage nach Verabreichung der zweiten Impfdosis. Erst dann hat das Immunsystem den größtmöglichen Schutz aufgebaut. In Zirndorf jedoch hatten die Infizierten entweder erst eine Dosis erhalten oder die zweite erst kurz vor der Infektion. Von den zehn betroffenen Pflegekräften waren außerdem nur zwei geimpft und damit acht komplett ohne Schutz.

Immer wieder tauchen Berichte von Coronainfektionen nach einer Impfung auf. Vor allem Pflegeheime sind davon betroffen. Sind die Impfungen also wirkungslos?

Nehmen wir beispielsweise das Helene-Schultheiß-Heim in Zirndorf: Kurz nach der Impfung infizierten sich 24 Bewohner*innen und 10 Mitarbeiter*innen. Drei Bewohner*innen starben: Eine nicht-geimpfte, eine erst-geimpfte und eine voll-geimpfte Person – alle hatten schwere Vorerkrankungen. Aber: Die restlichen Infizierten (darunter zwei Frauen über 100!) hatten nur milde Verläufe mit leichten Symptomen wie Schnupfen, Husten oder Fieber.

Was sagt das nun über die Schutzwirkung der Impfungen aus? Ziemlich viel. Es bestätigt, was bereits bekannt ist: Die Impfungen schützen nicht zu 100%, aber zu fast 100% vor schweren bis tödlichen Verläufen. Die volle Schutzwirkung entfalten die Impfstoffe auch erst ca. zwei Wochen nach Gabe der zweiten Dosis. In Zirndorf waren die Impfungen erst kurz vor dem Corona-Ausbruch getätigt worden. Die sehr niedrige Rate der schweren Verläufe unter den Bewohner*innen, die aufgrund ihres Alters alle Risikopatient*innen sind, zeigt, dass die Impfungen wirken und schützen – nur eben nicht zu 100%.

Einen weiteren Faktor stellen dabei die Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien dar. Die Impfstoffe wurden für den Wildtyp des Virus entwickelt, nicht für Mutationen. Im Pflegeheim in Zirndorf brach die britische Mutation aus, gegen die der verabreichte BioNTech-Impfstoff zwar auch wirkt, aber etwas schwächer.

Es gibt auch bereits Studien über Infektionen nach der Impfung, unter anderem aus Israel und Kalifornien. In Israel wurden 84,7% der Mitarbeiter*innen eines Krankenhauses geimpft, in der Folge nahm die Infektionshäufigkeit rapide ab. In Kalifornien zeigten sich ähnliche Ergebnisse: Von über 36.000 geimpften Mitarbeiter*innen der Unikliniken von San Diego und Los Angeles wurden 379 Personen (ca. 1,03%) nach der Impfung positiv getestet. Bei den ca. 28.000 Mitarbeiter*innen, die bereits die zweite Dosis erhielten, waren es nur 37 positive Fälle (ca. 0,13%). Diese Ergebnisse bestätigen darüber hinaus, dass das Immunsystem den Impfstoff erst zwei Wochen nach der zweiten Dosis vollständig verarbeitet und die größtmögliche Schutzwirkung aufgebaut hat. Auch das hat zu den vielen Infektionen in Zirndorf geführt, da die Impfungen dort erst kurz vor dem Ausbruch verabreicht wurden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Impfungen tun das, was sie sollen – schwere Verläufe und Todesfälle verhindern. Aber es ist dennoch möglich, sich nach der Impfung mit dem Virus zu infizieren.

Quellen: www.pharmazeutische-zeitung.de | www.br.de | www.dw.com

Tipp der Woche: Dokumentation „Asphaltgefühl – Rap und Politik“

Die ARTE Dokumentation „Asphaltgefühl“ handelt von der Entstehung der Rap-Kultur Anfang der 90er Jahre in Frankreich. Inspiriert von den US-amerikanischen Vorbildern wie beispielsweise Public Enemy werden auch hier vor allem alltägliche (politische) Problemlagen in den sozialen Brennpunkten der Banlieues thematisiert: Polizeigewalt, Alltagsrassismus und Perspektivlosigkeit. Rap wird von den Interpret*innen nicht nur als Kunstform verstanden, sondern auch dazu genutzt, sich Gehör zu verschaffen und Probleme anzusprechen.

Die Dokumentation findet ihr hier: https://www.arte.tv/de/videos/RC-017361/asphaltgefuehl/

Glatteisgefahr: Long-Covid

Wir wissen inzwischen sehr viel über das Coronavirus, die Infektion und COVID-19. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, während jüngere meist einen milderen bis symptomlosen Verlauf haben. Worüber die Medizin aber noch wenig weiß, sind die Langzeitfolgen der Erkrankung, die im Allgemeinen auch als Long-Covid bezeichnet werden.
Als bewiesen gilt inzwischen, dass vermeintlich Genesene noch lange mit ihrer Erkrankung zu kämpfen haben, teils noch Monate später. Davon vor allem betroffen sind neben den Atemwegen auch das Herz-Kreislauf-System, die Haut, Muskeln, der Stoffwechsel, die Nieren, das Gehirn samt Zentralem Nervensystem und die Blutgefäße. Auch Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwierigkeiten und Depressionen treten auf. Gefährdet sind sowohl Personen mit milden als auch mit schweren Verläufen. Ein höheres Risiko haben Übergewichtige und Frauen. Auch Kinder und Jugendliche sind trotz meist milden oder symptomlosen Verläufen von Long-Covid bedroht. Insgesamt gibt es aber noch zu wenige Studien zu Langzeitfolgen einer Infektion, um ein abschließendes Fazit ziehen zu können.

Wir wissen inzwischen sehr viel über das Coronavirus, die Infektion und COVID-19. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, während jüngere meist einen milderen bis symptomlosen Verlauf haben. Worüber die Medizin aber noch wenig weiß, sind die Langzeitfolgen der Erkrankung. Bisher gibt es erst wenige Studien zu Long-Covid, wie die Langzeitfolgen im Allgemeinen genannt werden. Andere Bezeichnungen sind Chronic-Covid-19-Syndrome (CCS) oder Pst-COVID-Syndrome (PCS).

Als bewiesen gilt inzwischen allerdings, dass viele vermeintlich Genesene noch lange mit der Krankheit zu kämpfen haben – teilweise auch mit tödlichem Ausgang. Betroffen sind neben den Atemwegen auch das Herz-Kreislauf-System, die Haut, Muskeln, der Stoffwechsel, die Nieren, das Gehirn samt Zentralem Nervensystem und die Blutgefäße. Psychologische und neurologische Folgen können Gedächtnis- und Konzentrationsverlust, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, posttraumatische Belastungsstörungen sowie eine Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmackssinns sein.

Es gibt auch bereits erste Studien zur Häufigkeit von Long-Covid. Eine Studie der Universität im britischen Leicester kam zum Schluss, dass jede*r dritte stationär Behandelte innerhalb von fünf Monaten nach der Entlassung mit Organproblemen wieder eingeliefert wurde – fast jede*r achte von ihnen starb. Auffallend dabei war, dass die Betroffenen häufig unter 70 waren und auch ethnische Minderheiten stärker von Long-Covid betroffen waren. Auch zur Dauer von Long-Covid liegen erste Ergebnisse aus England und Italien vor: Jede*r fünfte Covid-19-Patient*in zeigte nach fünf Wochen noch Symptome, nach zwölf Wochen war es noch jede*r zehnte. Aus Deutschland liegen laut RKI noch keine Ergebnisse oder Studien vor. Aber auch das RKI betont das relevante Risiko von Long-Covid.

Betroffen von Long-Covid sind dabei nicht nur Patient*innen mit einem schweren Verlauf. Auch nach einem milden Verlauf können Betroffene noch lange Symptome haben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit einem erhöhten BMI (Body-Mass-Index) und Frauen. Warum Frauen stärker davon betroffen sind als Männer lässt sich bislang allerdings noch nicht erklären. Mediziner*innen raten daher allen Menschen, die eine Infektion – egal ob mild oder schwer – durchgemacht haben, sich medizinisch beobachten zu lassen und sportliche Aktivitäten erst langsam wiederaufzunehmen. In einigen Kliniken gibt es daher bereits Post-Covid-Ambulanzen für Betroffene.

Weniger im Fokus, aber genauso gefährdet sind Kinder und Jugendliche. Zwar haben sie zumeist einen milden oder gar symptomlosen Verlauf, von Long-Covid sind sie jedoch genauso betroffen. Bei ihnen setzen die Symptome allerdings meist erst viele Monate nach der Infektion ein und sie unterscheiden sich in Teilen auch von denen Erwachsener. Kinder und Jugendliche leiden dann unter chronischer Erschöpfung (Fatigue), Gelenk- und Muskelschmerzen, Leistungsminderung oder Hautveränderungen, die Frostbeulen an Zehen ähneln. Der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn spielt bei Kindern und Jugendlichen dagegen fast keine Rolle. Auch sind Kinder unter zehn Jahren seltener betroffen als Patient*innen im Jugendalter. Besonders bei den psychischen Erkrankungen wie Müdigkeit oder Konzentrationsmangel kann aber auch die allgemeine Pandemielage mit Kontaktbeschränkungen und anderen Begleiterscheinungen eine wichtige Rolle spielen. Hierzu gibt es aber, wie auch bei den Spätfolgen für Kinder und Jugendliche noch keine abschließenden Ergebnisse. Besonders gefährlich für Kinder und Jugendliche ist auch, dass es für sie noch keine zugelassenen Impfstoffe gibt. Während die Erwachsenen geimpft werden und das öffentliche Leben in Folge dessen wieder hochgefahren werden kann, sind Kinder und Jugendliche dem Virus weiterhin schutzlos ausgeliefert. Zwar arbeiten Biontech/Pfizer und Moderna bereits an Impfstoffen für Kinder und Jugendliche, diese werden aber frühestens zu Beginn des kommenden Jahres erwartet.

Quellen: www.pharmazeutische-zeitung.de | www.tagesschau.de | www.tk.de

Tipp der Woche: Online-Führung: People of Color als Häftlinge im KZ Dachau – Verfolgung wegen Aussehen und Herkunft?

Heute gibt es von uns einen Tipp der Woche, der sich erst auf die kommende Woche bezieht. Darum ist er aber nicht weniger lohnenswert. Die KZ-Gedenkstätte Dachau bietet am 30. April ab 16:00 Uhr bei Facebook eine kostenlose Online-Führung zur Verfolgung von People of Color während des Nationalsozialismus an:

„Der Begriff Schwarz wird oft als Selbstbezeichnung von Menschen afrikanischer und afro-diasporischer Herkunft, schwarzen Menschen, Menschen dunkler Hautfarbe und people of colo(u)r gewählt. Das großgeschriebene „S“ wird bewusst gesetzt, um eine sozio-politische Positionierung in einer mehrheitlich weiß dominierten Gesellschaftsordnung zu markieren und gilt als Symbol einer emanzipatorischen Widerständigkeitspraxis. Vor allem seit der Kolonialzeit leben Schwarze in Deutschland. Zusammen mit ihren Ehe-Partner/-innen und Kindern verloren viele von ihnen nach dem Ende des Kaiserreiches die deutsche Staatsbürgerschaft. Einige Kinder aus Beziehungen zwischen französischen Kolonialsoldaten und deutschen Frauen wurden als „Schwarze Schmach“ diffamiert, 1937 zwangssterilisiert und später in Konzentrationslager eingewiesen. Dort wurden sie allerdings nicht als eigene Kategorie erfasst. Wurden Schwarze Menschen aufgrund ihrer Herkunft verfolgt und in die Konzentrationslager verschleppt? Neben dieser Frage befasst sich der Rundgang auch mit Rassismus in Deutschland nach 1945 und stellt ausgewählte Biografien von Häftlingen im Konzentrationslager Dachau vor.“ (Bewerbungstext der KZ-Gedenkstätte Dachau)

Hier findet ihr die Veranstaltung: Online-Führung: People of Color als Häftlinge im KZ Dachau – Verfolgung wegen Aussehen und Herkunft?

Glatteisgefahr: Intensivbetten

Immer wieder wird in sozialen Medien versucht, anhand irreführender Zahlen und Grafiken zu belegen, dass die Pandemie gar nicht so schlimm ist, wie behauptet wird. Oft werden dabei die Belegung von Intensivbetten oder die Schließung von Kliniken während Corona genannt.

In einem Facebook-Post wird zum Beispiel behauptet, dass die Zahl der Intensivbetten in Deutschland sogar abgebaut würde. Bezogen wird sich hier auf eine Grafik des Registers der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), die auf den ersten Blick einen starken Rückgang der Intensivbetten von August bis Mitte November erkennen lässt. Dass die Zahlen gesunken sind, hat aber nichts damit zu tun, dass die Intensivbetten nicht gebraucht würden. Viel mehr sorgen andere Gründe für den Rückgang.

Zum einen wurde die Zählweise im August geändert: Dort wurde die neue Kategorie der „Notfallreserve“ eingeführt. Das sind Intensivbetten, die innerhalb von sieben Tagen betriebsbereit sind. Zuvor wurden diese als freie Betten gewertet. Die Notfallreserve wird in der genannten Grafik aber nicht mehr angezeigt.

Ein weiterer Grund ist, dass ein Intensivbett nicht einfach nur ein Intensivbett ist. Dazu gehört auch Pflegepersonal, das sich um die Kranken kümmern muss. Bis Ende Juli 2020 war die Personaluntergrenze von 2,5 Patient*innen pro Pflegekraft ausgesetzt, eine Pflegekraft musste also mehr Intensivbetten betreuen, was die Zahlen nach oben trieb. Andersherum gesagt: Ist nicht genügend Pflegepersonal vorhanden, müssen Intensivbetten gesperrt werden und fallen aus der Statistik. Hinzu kommt, dass sich auch viele Pflegekräfte selbst mit Corona infizieren, was noch mehr Intensivbetten sperrt.

Intensivbetten spielen auch in einer weiteren Behauptung eine Rolle: Die Zahlen der belegten Betten blieb das vergangene Jahr über konstant – es gab auf den ersten Blick also keine Mehrbelastung durch Corona. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass viele Intensivbetten für Covid-Patient*innen freigemacht wurden. Planbare und nicht dringende Operationen wurden verschoben und weniger kranke Patient*innen wurden auf andere Stationen verlegt. Besonders brisant: Die Kapazitäten von Intensivbetten zur invasiven Beatmung, die bei einem schweren Verlauf benötigt werden, sind im vergangenen Jahr stark gesunken. So blieb zwar die Zahl der belegten Intensivbetten weitestgehend konstant, der prozentuale Anteil von Covid-Patient*innen auf Intensivstationen stieg dafür jedoch an.

Darüber hinaus wird behauptet, dass viele Krankenhäuser und Kliniken trotz Pandemie geschlossen würden und Personal entlassen worden wäre. Daraus ließe sich ableiten, dass Corona ja gar nicht so schlimm wäre, wenn man es sich in einer Pandemie leisten könne, Kliniken zu schließen. Was dabei vergessen wird: Die Schließung der meisten Kliniken war bereits seit Jahren beschlossene Sache. Die meisten von ihnen hatten nicht mal Intensivbetten. Auch werden die meisten Kliniken nicht einfach ersatzlos geschlossen. Stationen wurden auf andere Standorte aufgeteilt, die Häuser in anderer Form (etwa als Pflegeeinrichtung oder Reha-Zentrum) fortgeführt oder mit anderen Krankenhäusern fusioniert. Eine Klinikschließung bedeutet also nicht immer automatisch, dass auch Kapazitäten vernichtet werden.

Quellen: www.tagesschau.de | www.dpa.com

Tipp der Woche: Podiumsdiskussion „Mit Zivilcourage gegen Fake Facts“

Verschwörungstheorien und Fake News sind heute verbreiteter denn je. Häufig werden gezielt bestimmte Personengruppen attackiert und diffamiert. So tragen sie zu einer Spaltung unserer Gesellschaft bei.
Doch wie soll man umgehen mit Personen, die obskure Theorien und Unwahrheiten verbreiten? Wie kann man in solchen Situationen Zivilcourage zeigen?
Diese und weitere Fragen diskutieren der Sozialpsychologe Prof. Dr. Dieter Frey, „FAKE FACTS- Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ Buchautorin Pia Lamberty und Verena Berthold vom Verein ZIvilcourage für Alle.
Die Veranstaltung könnt ihr morgen (Mi, 14.04) um 19 Uhr kostenlos auf Youtube verfolgen: https://www.youtube.com/watch?v=a_vtEeMUXco

Spieltagsaktion: Spieltagsbrunch

Beim Auswärtsspiel gegen Schalke heißt es mal wieder: Spieltagsbrunch mit dem Fanprojekt. Schnappt euch einen Snack und ein (Heiß-)Getränk eurer Wahl und wählt euch ab 13 Uhr in unseren Skype Channel ein: https://join.skype.com/jUj17pzM0CYF

Wir freuen uns auf euch!