Glatteisgefahr: AstraZeneca

Impfstoffe gegen Corona sind knapp, trotzdem verweigern sich viele Menschen einer Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca. Aber warum? Wir werfen einen Blick auf die Gründe und erklären, warum auch eine Impfung mit AstraZeneca sinnvoll ist.

In den Augen mancher Menschen ist der Wirkstoff des britisch-norwegischen Herstellers AstraZeneca ein Impfstoff zweiter Klasse. Während die Mittel von BionTech/Pfizer und Moderna oder auch der russische Sputnik V-Impfstoff eine Wirksamkeit von bis zu 95% aufweisen, liegt dieser Wert bei AstraZeneca „nur“ bei 60-70%. Diese Zahlen alleine zu betrachten bringt allerdings nichts. Eine Wirksamkeit von 60% bedeutet nicht, dass 40% schwer erkranken oder gar sterben. Der Spiegel schreibt hierzu: „In den groß angelegten Studien wurde nicht das absolute Risiko einer Erkrankung für jede*n Geimpfte*n ermittelt. Dazu hätte man die Proband*innen absichtlich dem Virus aussetzen müssen – eine solche Studie wäre schon aus ethischen Gründen nicht erlaubt. Denn dafür hätte man schwere Verläufe oder gar Todesfälle unter den Proband*innen in Kauf nehmen müssen. Getestet wurde bei AstraZeneca stattdessen […] das relative Risiko – also wie viele Geimpfte sich im Vergleich zu Nichtgeimpften im Alltag anstecken“ (). Das bedeutet, dass es in der Testgruppe der Geimpften 60% weniger Erkrankungen als bei der Vergleichsgruppe der Nichtgeimpften gab.

Die Wirksamkeit hängt auch davon ab, wie genau geimpft wird. So variiert die Wirksamkeit je nach Methode zwischen 70 und 90%. Aber was noch wichtiger ist: Besonders schwere Erkrankungen, bei denen eine klinische Behandlung vonnöten gewesen wäre, können durch den Wirkstoff von AstraZeneca zu nahezu 100% verhindert werden.

Ebenso unwahr ist, dass der Wirkstoff für Menschen ab 65 weniger wirksam ist. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland lautet zwar, den Impfstoff nur Personen zwischen 18 und 64 zu verabreichen, was aber im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass er bei älteren nicht wirkt. Diese Empfehlung fußt auf der Tatsache, dass zu dieser Altersgruppe zu wenig Studiendaten vorliegen, um zu einem umfassenden Ergebnis für die Wirksamkeit in dieser Altersgruppe zu kommen.

Auch die Wirksamkeit bei den beiden gefährlichen Mutationen aus dem Vereinigten Königreich und aus Südafrika wird angezweifelt. Hier fehlen allerdings noch abschließende Ergebnisse. Gegen die britische Mutation weist der Wirkstoff nach ersten Studien eine Wirksamkeit von 75% auf, bei der südafrikanischen Mutation ist die Wirksamkeit nach ersten, aber noch nicht evaluierten, Untersuchungen niedriger, auch wenn noch keine eindeutige Zahl veröffentlich wurde. Sicher ist aber, dass das Vakzin auch bei der südafrikanischen Variante einen schweren bis tödlichen Verlauf der Krankheit verhindert. Wie wir bereits in einer anderen Glatteisgefahr erklärt haben, sind die Impfstoffe auf das Erkennen der Spike-Proteine des Virus ausgelegt. Die bisherigen Vakzine erzeugen Antikörper gegen das Spike-Protein des ursprünglichen Virus. Die südafrikanische Mutation weist genau an dieser Stelle Änderungen auf, weshalb die gebildeten Antikörper nun Viren bekämpfen, deren Spike-Proteine sie nicht vollständig erkennen. AstraZeneca arbeitet aber bereits an einem modifizierten Impfstoff, der ab Herbst zur Verfügung stehen könnte.

Eine Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca ist also durchaus sinnvoll, die Bedenken sind zwar auf den ersten Blick verständlich, lassen sich aber leicht aus der Welt schaffen. Und allgemein kann man sagen: Jede Impfung schützt und minimiert das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. Geimpft zu sein ist auf alle Fälle besser, als sich dem Risiko einer schweren Erkrankung auszusetzen.

Quellen: www.dw.de | www.spiegel.de [Paywall]

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